Schulpflegschaft der Gesamtschule Iserlohn

 

Offener Brief der Schulpflegschaft

zur Äußerung der Schulministerin vom 19.08.2008

An die Ministerin

für Schule und Weiterbildung

des Landes Nordrhein-Westfalen

Frau Barbara Sommer

Völklinger Straße 49

40221 Düsseldorf

 

Sehr geehrte Frau Ministerin,

mit großer Empörung und Verständnislosigkeit haben wir Eltern Ihre Ausführung über das Zentralabitur an den Gesamtschulen zur Kenntnis genommen. Sie haben das Zentralabitur eingeführt. Von Ihren Äußerungen gehe ich davon aus, dass vorher alles besser war? Dann muss man sich nach dem warum fragen! Dass Sie und Ihre Partei gegen die Gesamtschulen sind, haben Sie in vielen Gesprächen zum Ausdruck gebracht. Dass Sie aber den jungen Menschen, die Ihr Abitur dieses Jahr gemacht haben, so vor dem Kopf stoßen und ihre Arbeit als „Abitur Light“ bezeichnen, ruft in uns Eltern Verständnislosigkeit und Empörung hervor

Laut Ihren Ausführungen haben im Jahr  2007 96.4 Prozent der Abiturienten die Prüfung geschafft. 2008 waren es 97.4 Prozent. Das liest sich gut, das freut einen. Nun stellen Sie aber mit den Durchschnittsnoten die Gesamtschüler wieder zurück. „Mit dem Notendurchschnitt von 2.63 waren die Schüler sogar knapp besser als 2007 (2,64). An Gymnasien lag der Durchschnittsnote bei 2,59, an den Gesamtschulen bei 2,87.“ Frau Ministerin Sommer, das ist noch nicht einmal eine halbe Note Unterschied. Sie kündigen ein 7.Punkte-Programm an, um die Gesamtschulen zu unterstützen. Hier stellen Sie nicht nur unsere Kinder in einem schlechten Licht dar, sondern auch Ihre eigenen Kollegen. Damit sagen Sie aus, dass die Lehrer an den Gesamtschulen schlechtere Arbeit leisten als Ihre Kollegen an den Gymnasien. Dass diese Lehrer aber einen größeren Anteil an Seiteneinsteiger und Migranten haben, wird von Ihnen nicht berücksichtigt. In den Gymnasien wird vorher „ausgesiebt“. Hierbei entstehen, lassen Sie mich es so sagen, Eliteklassen. Wer nicht mitkommt, geht. Und für diese Kinder ist dann das Abitur in weiter Ferne gerückt. Aber wenn diese Kinder nicht in Realschulen oder in Hauptschulen unterkommen, gehen sie auf die Gesamtschule. Und hier gibt es Lehrer die in Kindern Potenziale sehen, so dass diese das Abitur schaffen. Warum schafft man das nicht in Gymnasien? So kann man den Notendurchschnitt auch verschönen.

In der Ausgabe der „Iserlohner Kreisanzeiger“ sagten Sie am 29. August 2008 dass Sie kein „Abitur zweiter Klasse“ an den Gesamtschulen wollen. Im Landtag kündigten Sie Hilfe für Gesamtschulen an damit die Gesamtschüler genauso gut auf das Abitur vorbereitet werden können wie die Gymnasiasten. So sollen Gesamtschüler erst nach dem 13. Jahr das Abitur machen können. Die Gymnasiasten  schon nach dem 12. Jahr. Und damit ein Sündenbock präsentiert wird, schiebt man das eben auf die ehemalige Rot-Grüne Landesregierung. Sie selber haben dafür gesorgt dass das Gesamtschulabitur in der öffentlichen Wahrnehmung weniger wert ist. Und das Herr Ralf Witzel, „Schulexperte“ der FDP von „Noten-Lifting“ an den Gesamtschulen spricht, rundet die Sache dann ab. Dass die Opposition darauf hinweist dass an den Gesamtschulen mehr Schüler aus verschiedenen, teils schwierigen sozialen Umfeld kommen, habe ich bereits zu Anfang erwähnt. Das lassen Sie aber nicht gelten. Warum eigentlich nicht? Haben diese Kinder nicht das Recht auf Bildung? Haben sie nicht das Recht ihr Abitur zu versuchen?

In den letzten Tagen haben Sie einige Interviews zu diesem Thema gegeben. Sie hatten immer versucht Ihre Rede, die Sie im Landtag gehalten haben, zu verschönen und zu beschwichtigen. Aber all das was Sie gesagt haben lässt heraushören das Sie von den Gesamtschulen nichts halten. Bedenken Sie Frau Ministerin, die Rufe der Eltern nach mehr Gesamtschulen wird immer lauter. Sie werden auf kurz oder lang nicht drum rum kommen Neue Gesamtschulen zu eröffnen. Die Landesregierung ist von diesen Eltern gewählt worden. Sonst würden Sie dieses Amt nicht ausüben können. Hier gilt nicht Ihre private Meinung, sondern Sie haben den Auftrag Ihrer Wähler zu erfüllen. In dieser Schulform haben unsere Kinder die Möglichkeit sich frei und weiter zu entwickeln. Sie werden nicht von Anfang an in eine Schulform gezwängt, wo sie eventuell nicht bestehen. Die Gesamtschullehrer leisten eine gute und erfolgreiche Arbeit. Sie haben es nicht verdient von Ihnen so diffamiert zu werden.

Wir Eltern fordern: Geben Sie den Gesamtschulen mehr Lehrerstellen, damit die vorhandenen Lehrer entlastet werden und die Kinder nicht über soviel Unterrichtsausfall klagen müssen. Damit würden und werden sich die Noten im Zentralabitur bald gleichen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Dietmar Lehner

Schulpflegschaftvorsitzender Gesamtschule Iserlohn